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Das Reichskammergericht entschied den Rechtsstreit, auch als Hillesheimer Religions-Gravamina betitelt, schließlich dahin, dass Frau Maria Amalia von Pröck "ungehindert und unmolestiret" in dem Besitze ihrer Rechte an hiesiger Kirche und Pfarrstelle bleibe. Dem Amtmann Pleickner wurde verboten, ihr diese Rechte zu schmälern. Pleickner mußte ihr in einem Schreiben an das "Gericht zu Hillesheim" die alleinigen Rechte zugestehen.

Daß die Frau von Pröck eine wichtige politische Rolle in Hillesheim gespielt hatte, und dass sie sich auch um die Zukunft der Hillesheimer Bevölkerung sorgte, kann man erkennen an der von ihr erlassenen Kirchen-, Schul- und Polizeiordnung. Als Beispiel hier ein Erlaß zum Schulwesen aus dem Jahre 1706:

"Nachdem mann höchstmißfällig vernehmen müssen, welcher gestalt die Untertanen zu Hilßheim dero Kinder wie das wilde Vieh aufwachsen lassen, so dass mit der Zeit nichts alß ein unordentlich-wüstes Leben erfolgen muß, dahero man von Obrigkeit wegen alle mögliche Vorsorge zu tragen verbunden, Befehlen demnach und wollen hiemit ernstlich, dass sie alle Kinder, ohne Unterschied der Religion, vom 6ten Jahr an biß in das 12te in die hiesig-ordentlich Schuhl schicken undt sie zum gebott, gottesfurcht und wahren Christenthumb anführen lassen, hingegen das gewöhnliche Schuhlgeld quartaliter mit 15 Kr. abtragen und bezahlen sollen. Und weil die Kinder des Sommers gemeiniglich Vatter, den Verwandten, ihren Eltern zu helfen undt an die Handt zugehen auß der Schuhl zubleiben pflegen, undt alßo dasjenige, so sie den Winter über erlernet, wieder vergessen, also sollen sie den Sommer durch, und zwar Vormittags zwey oder wenigstens eine Stunde in die Schuhl gehen, undt nichtsdestoweniger das ordentliche Schuhlgeldt alle quartal bezahlen. Wo aber einer oder der andere so boßschäfftig sei undt seine Kinder nicht in die Schuhl schicken würde, soll er doch das Schuhlgeldt schuldig sein, undt in ermangelung des guts dazu executive ahngehalten werden. Gegeben Hilßheim, den 10ten Aprilis 1706."

Die Hochwohlgeborene Frau Amalia von Pröck geborene von Geispitzheim starb am 22. August 1735 im hohen Alter von 80 Jahren, 5 Monaten und 8 Tagen.
Der Kirchbergteil wurde 1786 verkauft an die Herren von Wrede, von diesen weiterverkauft an die Grafen von Riancourt. Erst zu Napoleons Zeiten 1797 endeten die gespaltenen Besitzverhältnisse in Hillesheim.

   
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