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Der Religionskrieg in Hillesheim

Die Besitzer des katholischen Teils, also des falkensteinischen Hillesheims, seit 1695 die Grafen von Manderscheidt und Löwenhaupt wohnten selber nicht in Hillesheim. Sie ließen ihren Teil des Ortes von den beiden Amtmännern Georg Ulrich Pleickner zu Kreuznach und Friedrich Seidenbänder zu Worms verwalten.

Der Höhepunkt der Streitereien fand im Jahre 1702 vor dem Kaiserlichen Reichs-Kammergericht zu Wetzlar in Form eines Prozesses statt, den die Frau Amalia von Pröck schließlich gewann. Der Anlaß der gerichtlichen Auseinandersetzung war der Umstand, dass die Herren von Manderscheidt und Löwenhaupt durch ihren Verwalter Pleickner der Frau Amalia von Pröck das Patronatsrecht streitig machen wollte. Der Inhaber des Patronatsrechtes (juris Patronatus, juris Episcopalis) bestellte den Pfarrer und war auch zuständig für schulische Angelegenheiten. Mit diesem Recht war also eine gewisse politische Macht und Einflußnahme verbunden. Durch im Ton scharf gehaltene Briefe an die katholische Bevölkerung Hillesheims versuchte der Verwalter Pleickner im Auftrag seiner Herren dem Hause Pröck diese Rechte zu nehmen. Hier ein Ausschnitt aus diesen Schreiben an die katholischen Untertanen:

"Den Pröckischen Verwalter hat man zu bedeuten, dass, wann er nahmens seiner Herrschaft den Katholischen Altar nicht wieder bauen lasset, man ihn eben also, wie er die Kirchen-Zinsen einzutreiben getan, mit einer exekution darzu anhalten lassen werde. Inzwischen wird erlaubt mit abstattung solcher Kirchen-Zinsen an die Frau von Pröck so lang einzuhalten, bis nicht allein der Catholische Altar wieder gemacht, sondern auch Rechnung, wohin solche Zinsen bei vorigen Jahren angewendet worden, abgelegt, und Nachricht, wohin solche gewidmet, ertheylet worden sein wird. Sodann mögen die Catholischen Ihre Kinder in- und außerhalb der Kirche zu Hülszheim dur ch einen dahier berufenen catholischen Priester ungehindert taufen lassen undt wo sich der Pröckische Verwalter dagegen setzet, soll man denselben beim Kopf nehmen undt arretieren, wonach man gegen denselben als einen Frieden-Stöhrer verfahren wirdt. Der Glocken-Zehende aber gebührt meines Erachtens weder der Gemeinde noch der Frau von Pröck, sondern einem jedem Glöckner, so leuthen und die Uhr richten muß (Schulmeister und Küstner). Kreuznach, den 1 Merz 1701. Pleickner."

   
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